LANDS-LEUTE                                                      DAS PROJEKT

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Das Projekt LANDS-LEUTE ist eine künstlerische Recherche nach der Individualität eines Menschen, nach seiner Authentizität und Identität. Die Biografie, das alltägliche Leben, aber auch die Stellung im Sozialgefüge spielen neben den persönlichen Präferenzen eines/r jeden Teilnehmers/in hierbei eine große Rolle. Die Realisierung dieses multimedialen Projektes erstreckt sich als „Work in progress“ über einen Zeitraum von vielen Jahren. Arbeitsbeginn war im Jahr 2002, als Susanne Egle von Dr. Margrit Brehm, damals Kuratorin an der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden, für das europäische Ausstellungsprojekt Carambolage nominiert wurde.

 

GALERIE DER STADT TUTTLINGEN - BEHIND THINGS                                      

 

Aus dem persönlichen Umfeld der Künstlerin erklärten sich bisher elf „Landsleute“ zur Mitarbeit bereit: Die Erzieherin - Der Angestellte - Der Lehrer - Die Kunsthändlerin - Die Architektin - Der HNO-Arzt - Der Bürgermeister - Der Zahnarzt - Der Rechtsanwalt - Der Hausarzt - Der Fotograf. Der/die Teilnehmer/in bleibt anonym. Die Berufsbezeichnung bildet den Titel der Arbeit.

Dieser langandauernde Arbeitsprozess findet in mehreren Phasen statt: Zunächst lädt Susanne Egle zu einem „Interview“ in ihr Atelier ein, wo sie jeden/jede Teilnehmer/in auch über ihre Arbeitsweise und den Projektinhalt informiert. In einer Mappe, die sie für jede Person anlegt, werden sämtliche privaten Informationen gesammelt. Fester Bestandteil sind hierbei die Vita und ein Fragebogen zu alltäglichen, auch banalen Vorlieben, wie z.B. Lieblingsfarbe, Lieblingsduft, Lieblingsspeise und vieles mehr. In diesem Portfolio sind später auch sämtliche Notizen archiviert, die durch einen intensiven Dialog mit der jeweiligen Person entstanden sind und die möglicherweise in der Realisierungsphase von großer Bedeutung sein werden. Der Inhalt dieser Mappe bleibt der Öffentlichkeit unzugänglich. Um weitere persönliche Aspekte zu entdecken, besucht die Bildhauerin nach mehrwöchiger Dialogarbeit die einzelnen Personen in deren häuslicher Umgebung. Zumeist werden dabei auch verschiedene Arbeitsmaterialien übergeben: Einerseits sind es persönliche Gegenstände aus privatem oder beruflichem Umfeld, oft von kaum messbarem materiellen, aber für die jeweilige Person von hohem ideellen Wert. Andererseits wird eine ganz individuelle Geschichte aus dem Leben der Teilnehmer zur Veröffentlichung freigegeben.Die folgende Arbeitsphase beinhaltet dann die Fotodokumentation und Archivierung des gesamten zur Verfügung gestellten Materials. Die zu veröffentlichende Geschichte wird auf einer Texttafel präsentiert und später der entsprechenden Arbeit zugeordnet. In der Realisierungsphase kreiert die Künstlerin unter Einbeziehung der erhaltenen Gegenstände und Informationen aus der Dialogrecherche ein dreidimensionales Portrait, das sie fallbezogen durch Objekte aus ihrem eigenen Materialfundus ergänzt. Immer wieder neue künstlerische Strategien sind notwendig, um die vorliegenden Gegenstände künstlerisch frei verfremden, zerteilen und verformen zu können. Da die Künstlerin sich mit jeder einzelnen Person über lange Zeit hinweg intensiv auseinandersetzt, sind alle Arbeiten stark subjektiv geprägt.

Während mehrmonatiger Arbeitsaufenthalte an der Cité Internationale des Arts in Paris hat das Projekt LANDS-LEUTE eine zusätzliche Dimension erhalten: 25 Kollegen/Kolleginnen aus den unterschiedlichsten Sparten wie Musik, Literatur, Architektur, Darstellende und Bildende Kunst hat Susanne Egle ihr Projekt LANDS-LEUTE vorgestellt und sie um einen kurzen, persönlichen Kommentar gebeten. In ihrer jeweiligen Muttersprache kommentieren die Befragten das Projekt in schriftlicher Form sowie in Bild- und Tonaufnahmen, die von der Künstlerin angefertigt werden. Da es ihr bei diesen Interviews erneut um Identität und Authentizität ging, ließ Susanne Egle den Inhalt des filmischen Parts, meist in den Ateliers gedreht, von der jeweiligen Person frei gestalten. So tanzt ein israelischer Tänzer seinen Kommentar, ein mexikanischer Kollege malt ihn, ein Schweizer Multimedia-Artist komponiert eigens ein Sound-Arrangement dafür. Kollegen/Kolleginnen aus Tunesien, Norwegen und Iran singen oder spielen ihren Kommentar. Andere präsentieren sich im Zusammenhang mit ihren eigenen Arbeiten vor der Kamera. Das Ergebnis: ein Zusammenschnitt der unterschiedlichsten Ausdrucksformen, der auch hier wieder die Einzigartigkeit der jeweiligen Persönlichkeit auf vielfältige Weise dokumentiert.

Ausstellungsbegleitend ergänzen das einstündiges Video und die in einer Vitrine präsentierten schriftlichen Kommentare die Objekte und ihre dazugehörige Geschichten.

 

 

STÄDTISCHE GALERIE VILLA STRECCIUS LANDAU - LANDS-LEUTE

LANDS-LEUTE                                               THE PROJECT

 

 

LANDS-LEUTE – COMPATRIOTS – is an artistic research project about the uniqueness of human beings, their authenticity and identity. Their biography, their daily life and also their position in the social structure play a big role, beside the personal partialities of each participant individual. This multi-media project is conceived as work in progress. Beginning was January 2002 when Susanne Egle was nominated for the European exhibition-project Carambolage by Dr. Margrit Brehm, curator at that time at the Staatliche Kunsthalle Baden-Baden.

Eleven “compatriot/participants” from her personal environment collaborated up to now in this project: The educator, The employee, The teacher, The art dealer, The architect, The ENT-doctor, The mayor of the village, The dentist, The lawyer, The family doctor, The photographer.

In the first stage of the work every “compatriot” is invited to the studio for an interview. Once informed about the artist' work and the contents of the project, each person is given a portfolio, which contains his CV and a questionnaire about his daily preferences, for example the favourite colour, smell, food etc. At the end this portfolio will also contain all notes of a very intense dialogue, which will crucial for the realisation phase. This material will not be disclosed to the public. After several weeks of dialogue exchange Susanne Egle visits each participant in his home to uncover more of “socio-cultural” characteristics. In this scenario she is receiving all material for her work: Firstly, personal items out of private or business life, which mostly have a low objective, but a high ideal worth. Secondly, a unique story of this person, which is given to be published.

The second stage of the work contains the photo documentation and the archives of all given material, which has to be presented together with the story meant to be published in connection with the finished object. In the third stage of the work, the stage of realisation, the artist is creating a three dimensional “portrait”, in combination with her own assortment of items and the material she acquired from the participant. After obtaining the permission to change, cut up and transform all things she got, Susanne Egle creates every time a different artistic approach for each individual. Uniqueness will be expressed in multiple ways: in one piece of work the story is a very important part of it, in other work the participant' favourite colour, preferred smell or a specific sound will play a key role. Habits, experiences, adventures or spleens can be also very important, which will sometimes be discovered by interactive behaviour of the recipient.

Connecting to each work there will be the “compatriots” own story on a text board along with the related photo documentation. The participant remains anonymous. His profession becomes the title of the work. The result of intense dialogue with each person over several months makes the pieces strongly subjective.

During a 6 months residency at the Cité Internationale des Arts in Paris, 25 colleagues of different categories of art like music, literature, architecture, performing and visual arts are commenting the LANDS-LEUTE project. The result is a compilation of very individual expressions, which is presented in an accompanying video. The written comments are shown in a separate cabinet.